Schulprogramm

1. Einleitung

Die Wingertschule ist eine berufliche Schule, in der überwiegend weibliche Jugendliche und junge Erwachsene ausgebildet bzw. auf eine Ausbildung vorbereitet werden.

Hier werden in vollschulischer Form sozialpädagogische Ausbildungen zur Sozialassistentin und zur Erzieherin vermittelt. In der freien Wirtschaft und im dualen System gibt es für diese Ausbildungsgänge keine Alternative. Die Verantwortung für die o. g. Ausbildungen liegt bei der Schule.

Jüngere Schülerinnen mit gutem Hauptschulabschluss werden in der Zweijährigen Berufsfachschule, die zu einem mittleren Bildungsabschluss führt, auf den Einstieg in einen Beruf vorbereitet

In den besonderen Bildungsgängen erhalten Schülerinnen, die nach 9 Jahren allgemeinbildender Schule keine Ausbildung beginnen, die Möglichkeit, ein 10. Pflichtschuljahr zu absolvieren und die Chance, einen dem Hauptschulabschluss gleichwertigen Abschluss zu erlangen.

Berufsschulpflichtige junge Frauen ohne Ausbildung und Frauen aus dem Trainingsbereich der Werkstatt für Behinderte erfüllen an der Wingertschule ihre Berufsschulpflicht.

Im sozialpädagogischen / sozialpflegerischen Bereich schufen die Lehrerinnen und Lehrer zunehmend Kontakte zur Praxis und Kooperation mit den Praxisstellen.

Die Schule erarbeitete sich mit ihren vollschulischen Ausbildungsgängen und in der Kooperation mit den Praxisstellen einen guten Ruf in der Fachöffentlichkeit.

2. Prozessbeschreibung

2.1. Einleitung

Obwohl erst seit dem Schuljahr 1999/2000 für hessische Schulen die Verpflichtung bestand, ein Schulprogramm zu entwickeln, machte sich unsere Schule im Frühjahr 1998 auf den Weg zur Schulprogramm-Entwicklung. Diese Entwicklung verlief in zwei Phasen. (siehe Abschnitt 2.2. und 2.3.)

In der ersten Phase (ab Februar 1998) wurden zuerst im Schulleitungsteam Informationen zum Thema "Schulprogramm" gesammelt und gesichtet. Es wurde beraten, wie ein Prozess zur Schulprogrammentwicklung am 23. April 1998 im Rahmen einer Gesamtkonferenz lebendig gestartet werden könnte. Die wichtigste Entscheidung in dieser Konferenz bestand in der Bildung eines Vorbereitungsteams - Team zur Vorbereitung des Pädagogischen Tages (PTT). Hauptaufgabe dieses Teams bestand darin, erste Schritte auf dem Weg zu einem Schulprogramm - im Rahmen eines Pädagogischen Tages - vorzubereiten.

Konkrete Vorstellungen über das WIE und WOHIN waren zu Beginn der Schulprogrammarbeit noch nicht vorhanden. Die Arbeit der Gruppe gestaltete sich daher schwierig. Später wurde der Arbeitsauftrag an die Gruppe durch die Gesamtkonferenz präzisiert und erweitert, die Teamarbeit verlief von da an zielgerichteter.

Schon in der ersten Sitzung wurde klar, dass für das PTT-Team eine Unterstützung von außen sehr hilfreich wäre, nicht zuletzt auch deswegen, weil es sich hier um ein Aufgabengebiet handelte, in dem niemand Erfahrungen besaß. Unterstützung wurde deshalb von einer Mitarbeiterin und einem Mitarbeiter des HeLP angefordert und hatte ihren Schwerpunkt einerseits in der Beratung des Teams und anderseits in der Begleitung des gesamten Entwicklungsprozesses der Schule. Es war eine gute Entscheidung, dass die Teamer des HeLP in der Anfangsphase unseren Prozess unterstützten.

Die einzelnen Aufgaben im Rahmen der Teamarbeit, wie etwa Protokoll, Einladung, Tagesordnung, Leitung der Sitzungen etc., waren zur jeder Sitzung klar verteilt. Dadurch konnte der Prozess in Gang gehalten werden. Verschiedene Organisationsstrukturen (feste Aufgabenbereiche, wechselnde Aufgabenbereiche), unterschiedliche Arbeitsweisen (Einzelarbeit, Gruppenarbeit, Vortrag etc.) und Methoden wurden im Verlauf der Tätigkeit dieser Gruppe mit und ohne die HeLP-Teamer angewendet.

Das Kollegium wurde im Lehrerzimmer durch eine überdimensionale Zeitleiste Weg zum Schulprogramm über alle aktuellen und geplanten Termine informiert. Alle Protokolle der Teamsitzungen wurden ausgehängt. Neben der Arbeit in den Teams waren Gesamtkonferenzen und Pädagogische Tage wichtige Stationen der Schulprogrammarbeit.

In der zweiten Phase der Schulprogrammentwicklung (ab April 2000) wurde die SET-Gruppe (Schul-Entwicklungs-Team) gegründet. Im Auftrag der Gesamtkonferenz bestand die Hauptaufgabe dieser Gruppe in der Fortsetzung der Arbeit der PTT-Gruppe und der Entwicklung eines Schulprogramms als Vorlage zur Diskussion und Verabschiedung durch die Gesamtkonferenz.

Ein großes Anliegen der PTT und SET Gruppen war von Anfang an die Einbeziehung aller an der Wingertschule aktiv tätigen Gruppen in das Schulprogramm. Viele dieser Arbeitsgruppen, oft aus unterschiedlichsten Anlässen ins Leben gerufen, existierten bereits vor dem Einstieg in die Schulprogrammarbeit und leisteten wertvolle Arbeit zur Profilbildung der Wingertschule.

Zusammenfassend ist anzumerken, dass der Auftrag der Gesamtkonferenz von den PTT und SET Gruppen erfüllt wurde durch:

  1. den Einstieg in die konkrete und strategisch ausgerichtete Schulprogramm-Arbeit
  2. die Erstellung einer Ist-Soll-Analyse auf der Grundlage einer schriftlichen ausgewerteten Umfrage im Kollegium. (Diese Datenbank bildete später eine wichtige Grundlage für die kommende Arbeit.)
  3. regelmäßige Information und Beteiligung des Kollegiums
  4. Erarbeitung eines Schulprogramms

2.2. Einstieg in die Entwicklung des Schulprogramms

(Februar 1998 bis März 2000)

Der Zeitabschnitt von Februar 1998 bis März 2000 war durch folgende Aktivitäten im Hinblick auf die Entwicklung des Schulprogramms gekennzeichnet:

  1. Einstieg in die Schulprogrammarbeit durch Schulleitung und Kollegium
  2. Schulprogramm und ausgewählte Aspekte der Schulprogrammarbeit als Thema in Gesamtkonferenzen und Pädagogischem Tag
  3. Bildung einer Vorbereitungsgruppe (PTT)
  4. Zusammenarbeit mit Teamern des HeLP (Hessisches Landesinstitut für Pädagogik)
  5. Erstellung und Durchführung einer Ist-Soll-Analyse
  6. Bildung von schulformübergreifenden Arbeitsgruppen auf der Grundlage von Leitsätzen und Zielen in ausgewählten Entwicklungsschwerpunkten (Pädagogischer Tag)

2.3. Fortführung der Schulprogrammarbeit

(April 2000 bis heute)

Der zweite Zeitabschnitt von April 2000 bis heute war durch folgende wichtige Aktivitäten gekennzeichnet:

  1. Durchführung der Gesamtkonferenz mit dem Schwerpunkt Würdigung und Weiterarbeit
  2. Bildung einer Schulentwicklungsgruppe (SET) mit einem Auftrag der Gesamtkonferenz
  3. Beginn der Arbeit der SET-Gruppe mit den Schwerpunkten Formulierung von Leitbildern und Zielen und deren Rolle in der Schulprogramm-Struktur
  4. Erstellung eines Schulprogramm-Entwurfs als Beschlussvorlage für die Gesamtkonferenz
  5. Verabschiedung eines Schulprogramms

2.4. Bestandsaufnahme (Ist-Soll-Analyse)

Im Laufe der ersten Phase bekam die PTT-Gruppe am 28.08.98 von der Gesamt-konferenz den Auftrag, Kriterien zur Ermittlung des Ist- und Soll-Zustandes zu erarbeiten. Gemeinsam mit dem Kollegium wurden am 28.09.98 im Rahmen einer pädagogischen Gesamtkonferenz Fragen zum Ist-Zustand formuliert, welche danach von der PTT-Gruppe gesichtet und in einem Fragebogen geordnet wurden. Die 125 Einzelfragen verteilten sich auf die Schwerpunkte:

Am 16.12.1998 wurde der fertige Fragebogen in einer Gesamtkonferenz ausgeteilt und erläutert. Die Auswertung dieser Ist-Soll-Analyse durch die PTT-Gruppe wurde dem Kollegium im März 1999 bekanntgegeben. Diese Datenbank sollte für alle zukünftigen Aktivitäten als Grundlage und Orientierung dienen.

Schon am 26. Mai 1999 folgte ein Pädagogischer Tag zum Thema "Zusammenarbeit" mit den Schwerpunkten:

Dieser Tag wurde ebenfalls von der PTT-Gruppe vorbereitet und durchgeführt.

In der anschließenden zweiten Phase der Schulprogrammentwicklung entwickelte das Schulentwicklungteam SET das Schulprogramm.

Grundlage und Vorgaben für Ausarbeitung des vorliegenden Schulprogramms waren:

Die vom SET-Team festgelegten Entwicklungsschwerpunkte waren in der Ist-Soll-Analyse bereits evaluiert, wobei der Ist-Wert die derzeitige Situation und der Soll-Wert die angestrebte Situation wiedergeben sollte.

3. Das Schulprogramm der Wingertschule Friedberg

Die Struktur des Schulprogramms der Wingertschule

Bei der Darstellung unseres Schulprogramms wurde eine Gliederung gewählt, die ausgehend von einer Präambel über Leitbilder, Entwicklungsschwerpunkte, Ziele zu sehr konkreten Maßnahmen führt und damit einen gut nachvollziehbaren Aufstieg vom Abstrakten zum Konkreten widerspiegelt.

3.1. Die Präambel

Die Präambel drückt die Besonderheit der übergreifenden fachlichen und inhaltlichen Orientierung unserer berufsbildenden Schule wie auch die dahinter stehenden Ziele für das Verhältnis von Lehrenden und Lernenden aus.

Die Wingertschule ist eine berufsbildende Schule.

Wir verstehen uns als einen gesundheitsfördernden und umweltbewussten Lernort, der eine Weiterentwicklung von Geist, Körper und Seele bewirkt. Dabei prägt die Arbeit mit, für und am Menschen unser pädagogisches Handeln. Die Wertschätzung des Menschen in den verschiedenen Lebenssituationen, Altersstufen und sozialen Bezügen und die Persönlichkeitsbildung der SchülerInnen und Studierenden steht im Mittelpunkt.

3.2. Die Leitbilder

Es werden fünf Leitbilder formuliert. Diese Leitbilder repräsentieren die gemeinsamen schulformübergreifenden Zielsetzungen und Orientierungen von Lehrer- und Schülerschaft. Sie weisen zugleich die programmatische pädagogische Richtung auf, in die Schule sich entwickeln soll, geben also nicht nur den Ist-Zustand unserer Schule wieder. Hier werden in Kurzform die grundlegenden Leitgedanken unserer Schule plakativ formuliert, zusammengefasst und durch einige Konkretisierungen ergänzt.

Wir qualifizieren uns und unsere SchülerInnen im Hinblick auf die Zukunft zu beruflichem Erfolg.

Wir fördern soziales Handeln, Toleranz und den demokratischen Umgang miteinander.

Wir verstehen uns als eine gesundheitsfördernde Schule, die eine Weiterentwicklung von Geist, Körper und Seele bewirkt.

Verschiedene eigenständige Schulformen und Fachbereiche profitieren voneinander. Vielfalt in unserer Schule ist für uns erwünscht und notwendig.

Wir öffnen unsere Schule nach innen und nach außen.

3.3. Die Entwicklungsschwerpunkte

Fokusiert werden die Leitbilder auf die Formulierung von konkreten Entwicklungsschwerpunkten. Sie drücken aus, welches Arbeitsprogramm hinter den Leitbildern steckt und in welche Richtung die künftige Arbeit in der Schule gehen soll bzw. welche Entwicklungsschwerpunkte beibehalten und/oder verstärkt werden sollen.

3.4. Die Ziele

Aus den Entwicklungsschwerpunkten haben wir Ziele abgeleitet, die programmatisch angeben, wie die Entwicklungsschwerpunkte verfolgt werden können.

Die Darstellung des Schulprogramms von der Präambel, über Leitbilder, Entwicklungsschwerpunkte zu den Zielen soll im Folgenden kurz anhand der ersten Zeile des Programms (Leitbild 1: Wir qualifizieren uns und unsere SchülerInnen im Hinblick auf die Zukunft zu beruflichem Erfolg.) exemplifiziert werden:

3.5. Die Maßnahmen

Die Spalte der Maßnahmen, die zur Erreichung der Ziele getroffen werden sollen oder bereits getroffen wurden, ist unterteilt in schulformbezogene und schulform-übergreifende Maßnahmen. Bei der Darstellung dieser Maßnahmen wurde darauf verzichtet, sie ausgehend von jedem einzelnen Leitbild bis zu den daraus abgeleiteten Zielen für jede Zeile aufzuführen, da sie zum großen Teil übergreifenden Charakter besitzen.

Den Maßnahmen (in der Üœbersicht des Schulprogramms als Stichwort dargestellt) ist jeweils eine Arbeitsgruppe zugeordnet. Diese Arbeitsgruppen stellen sich im Abschnitt 4 dar, geordnet nach den Nummern in den Klammern.

  1. Schulformbezogene Maßnahmen
    • Konzeptentwicklung
      • Besondere Bildungsgänge (1)
      • Konzeptarbeit BFS (2)
      • Konzeptarbeit Sozialassistenz (3)
      • Steuerungsgruppe FS (4)
  2. Schulformübergreifende Maßnahmen
    • innerschulische Entwicklung
      • Raumentwicklung (5)
      • Umgang mit Gefahrenstoffen (6)
      • Musik (7)
      • Erste-Hilfe-Kurs für LehrerInnen (8)
      • Methodentraining (9)
      • Supervision (10)
    • Öffnung der Schule
      • Mitarbeit bei Round tables des Schulträgers (11a / 11b)
      • Zusammenarbeit mit den Vertretern der sozialpädogischen Praxis (12)
      • FS: Dialog mit der Praxis (13)
      • Koordination mit Vertretern aus dem sonderpädagogischen Bereich (14)
      • Zusammenarbeit mit dem Arbeitsamt (15)
      • Malteser "Aktion Hoffnungszeichen" (16)
      • Abfallwirtschaftsbetriebe (17)
      • Workshop Zahngesundheit (18)
      • Obst- und Gartenbauverein (19)
      • Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Jugend und Soziales sowie der (20)
      • Kulturelle Veranstaltungen (21)
      • Pilotprojekt "Erste Hilfe für Schüler " (22)
      • Infektionsschutzgesetz (23)

3.6. Arbeit mit dem Schulprogramm

Leitbilder und Ziele des Schulprogramms der Wingertschule gelten für alle Schulformen und für alle Maßnahmen.

Hier werden auch Ausführungen und Arbeitsergebnisse der laufenden Gruppen unter dem jeweiligen Maßnahmenblatt abgelegt. Der bzw. später die Ordner stehen an einer allgemein zugänglichen Stelle im Lehrerzimmer, um die Transparenz zu erhalten.